„Wer die Zukunft positiv gestalten will, muss sich der Vergangenheit erinnern und daraus eine besondere Verantwortung ableiten. Toleranz und Menschlichkeit finden ihren Ausdruck dort, wo die Verständigung zwischen Menschen aktiv gelebt wird.“ 

Dr. h. c. Manfred Lautenschläger

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Jahresbericht 2016

Gegenwart & Zukunft

Integration und Toleranz sind Teil des Fundaments einer demokratischen, freien Gesellschaft.  Hierfür sind Gleichheit, Gerechtigkeit und Respekt unverzichtbar. Diese Werte geraten in Gefahr, wenn sich Fremdenfeindlichkeit, Antiziganismus und Antisemitismus ausbreiten oder dort, wo diskriminierende Strukturen bereits bestehen, diesen nicht entgegengetreten wird.

Ausgrenzung und Intoleranz haben häufig ihre Ursache dort, wo die Unkenntnis anderer Kulturen, Volksgruppen, Ethnien und Nationalitäten und eine daraus resultierende Verunsicherung oder Ablehnung vorherrscht. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung fördert daher Projekte, die durch Bildung und Aufklärung zu kritischem und unabhängigen Denken führen und die Ursachen von Intoleranz und Ausgrenzung aufzeigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Projekten, die Menschen aus allen möglichen Kulturen, verschiedener Herkunft, Nationalität und Religion zusammenbringen und den gegenseitigen Austausch der Beteiligten untereinander fördern.

Mediendienst Integration

Medien prägen die Wirklichkeit der Einwanderungsgesellschaft und die Bilder über Minderheiten. Was die Bevölkerung über die Bedeutung von Migration und über die Situation von Migranten in Deutschland weiß, das weiß sie aus den Medien. Dabei verläuft der Diskurs nicht immer sachlich, und ist mitunter geprägt von „gefühlten“ Wahrheiten und emotionalen Standpunkten. Mit fatalen Wirkungen: Zwei Drittel der Bürger sind der Auffassung, dass Einwanderung die Sozialsysteme belaste, zu Konflikten mit Einheimischen führe und zu Problemen in Schulen, wie unter anderem eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung im Dezember 2012 zeigt.

Auftaktveranstaltung des Mediendienstes Integration (mit Ministerin Theresia Bauer) Foto: Thomas Lobenwein

Das Ziel des Mediendienstes Integration (MDI) ist es, sachliche Berichterstattung zu den Themen Migration, Integration und Asyl zu fördern. Der Mediendienst arbeitet dafür an der Schnittstelle zur Wissenschaft, bereitet empirische Sachverhalte und wissenschaftliche Erkenntnisse auf. Die Angebote sind insbesondere auf die Bedürfnisse von Medien zugeschnitten. Der Mediendienst vermittelt auf Anfrage Experten für die Berichterstattung, bietet auf der Internetseite aktuelle Zahlen und Fakten zu Fragen der Einwanderungsgesellschaft, verschickt Hinweise auf aktuelle Termine und Themen (wöchentlicher Newsletter) und veröffentlicht eigene Berichte und Recherchen.

Die erste Bilanz zeigt: Das Angebot stößt auf Interesse und wird von Journalisten angenommen. In den ersten 12 Monaten haben sich sowohl die Besucherzahlen der Internetseite als auch die Presseanfragen stetig gesteigert.

Seit dem offiziellen Projektauftakt Ende November 2012 hat der MDI über 130 Berichte zu Themenbereichen wie Bildung, Arbeitsmarkt, Bevölkerungsentwicklung usw. veröffentlicht. Den Bekanntheitsgrad des Projekts gestärkt hat vor allem die Recherche zur Anzahl der Kandidaten mit Migrationshintergrund für die Bundestagswahl sowie anschließend über die gewählten Abgeordneten aus Einwandererfamilien. Beides wurde von vielen Medien aufgegriffen und zitiert (u. a. Der Spiegel, Zeit-Online, diverse Radiosender, Deutsche Welle, Al Jazeera International).

Der Mediendienst greift in Debatten ein, indem er Thesen oder Zahlen überprüft (Fakten-Checks). So hat er eine Erklärung des Deutschen Städtetags vom Januar 2013 zu den Problemen der „Armutswanderung aus Rumänien und Bulgarien“ relativiert, in dem von rund 150.000 Menschen in 2011 die Rede war.

Darüber hinaus vermittelt der MDI Journalisten Ansprechpartner und Experten und greift dabei auf eine eigens erstellte (interne) Experten-Datenbank mit 500 Einträgen zurück. Das Angebot ist inzwischen so bekannt, dass der MDI täglich Anfragen erhält – von Dezember 2012 bis September 2013 über 250 Anfragen von Journalisten und anderen.

Als zusätzlichen Service verschickt der Mediendienst wöchentlich den „Themen-Alert“ (Newsletter) mit Hinweisen auf aktuelle Termine und Themen für die Planung in Redaktionen. Inzwischen nutzen rund 800 Abonnenten diesen Service (rund 500 Journalisten, zudem Mitarbeiter aus dem Bundestag, Stiftungen, öffentlichem Dienst usw.).

In den sozialen Medien Facebook und Twitter stellt der MDI laufend Praxismodelle vor (Good Practice) und bietet internationale Vergleiche. Auch bei seiner eigenen Arbeit geht er als gutes Beispiel voran und achtet u. a. mit seinem Bildkonzept sehr genau darauf, wie Berichte zur Einwanderungsgesellschaft sensibel und jenseits von Klischees dargestellt werden können.

Hildegard Lagrenne Stiftung

Die 2012 gegründete und seit Februar 2014 rechtlich selbstständige Hildegard Lagrenne Stiftung für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland möchte die prekäre Bildungssituation von Sinti und Roma in Deutschland aktiv verbessern und dabei nicht zwischen deutschen Sinti und Roma einerseits und zugewanderten Roma andererseits unterscheiden.

Die Bildungswirklichkeiten von Sinti und Roma sind bekanntlich für viele Angehörige der Minderheit schwierig. Es kann für viele Sinti und Roma von einer unterdurchschnittlichen Bildungsbeteiligung, gemessen an der formellen Bildung (Abschlüsse und Zertifikate), ausgegangen werden. Unterschiedliche Studien konnten zeigen, wie stark Diskriminierungsmechanismen als Ausschlussmechanismen hinsichtlich Bildung funktionieren und dass gesellschaftlicher Antiziganismus Bildungs- und Berufskarrieren eminent beeinträchtigt. Gleichzeitig wirkt der strukturelle Rassismus auch dahingehend, dass erfolgreiche Bildungskarrieren gar nicht erst sichtbar werden.

Die Hildegard Lagerenne Stiftung möchte daher einerseits Bildung von Sinti und Roma in seinen ganzen Facetten in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen und fördern. Gleichzeitig ist die schwierige Bildungssituation nicht losgelöst von diskriminierenden Strukturen und den Auswirkungen des Antiziganismus sowohl auf das Bildungssubjekt als auch die Sinti-und-Roma-Communities insgesamt zu sehen. Von daher kann „Bildung“ nicht auf formelle Bildung begrenzt werden, sondern sollte als eine Vorstellung von „Bildung“ als Bildung des Selbst, konkret als Selfempowerment und Selbstermächtigung, aber auch als Teilhabe an der Gesellschaft, als Aneignung der Welt, gesehen werden.

Die Adressaten der Stiftungsarbeit sind in erster Linie Angehörige der Sinti-oder-Roma-Communities, die durch Bildung ermutigt werden sollen, selbstbestimmte und für sie erfolgreiche Bildungswege zu gehen. Daneben wendet sich die Stiftung mit ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit, um Antiziganismus bewusstzumachen, entgegenzutreten und abzubauen. Dies wiederum sieht die Stiftung als eine Grundbedingung für gleichberechtigte Bildungschancen und für die Ermöglichung von gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe von Sinti und Roma.

Show Racism the Red Card

Rassismus ist Alltag für viele in Deutschland – auch auf dem Fußballplatz werden Personen durch Mitspieler, Gegner oder auch Zuschauer in allen Ligen Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung. Show Racism the Red Card – Deutschland e.V. bringt Kinder und Jugendliche mit dem Profisport zusammen. Ziel ist es, durch interaktive Workshops Jugendlichen von 9 bis 14 Jahren Inhalte der politischen Bildung zu vermitteln und so Rassismus „die Rote Karte“ zu zeigen. Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützte hierbei die Entstehung eines neuen und zeitgemäß aufgearbeiteten Schulungsfilms

Filmplakat

Die Berliner Bildungsinitiative „Show Racism the Red Card – Deutschland e.V.“ drehte 2013 und 2014 einen Dokumentarfilm. Dieser soll zur Prävention von Rassismus und Diskriminierung  bei Kindern und Jugendlichen beitragen. Bekannte Persönlichkeiten aus dem Bereich Fußball unterstützen das Filmprojekt. So geben beispielsweise Otto Addo, Jimmy Hartwig, Jérôme Boateng und Christoph Metzelder ein persönliches Statement gegen Rassismus und Diskriminierung vor der Kamera ab.

Der Dokumentarfilm soll als Grundlage für Workshoparbeit mit Kindern und Jugendlichen dienen. Diese Workshops bietet „Show Racism the Red Card – Deutschland e.V.“  in Kooperation mit Vereinen und Schulen deutschlandweit an. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche für das Thema Rassismus zu sensibilisieren und ihnen Handlungsmöglichkeiten für den Alltag aufzuzeigen.

Der Film zeichnet sich durch eine innovative Erzählstruktur sowie durch einen pädagogischen Anspruch aus. Nicht Hooligans, Gewalt oder Nazis in den Fankurven stehen im Mittelpunkt, sondern vielmehr persönliche Geschichten aus dem Bereich Fußball. Die Äußerungen bekannter Vorbilder ergänzen dabei die Erzählungen von Teamgeist und Ausgrenzung im Fußball.

Die Manfred Lautenschläger-Stiftung sowie der Zentralrat- und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma fördern das Filmprojekt, das vom Augsburger Filmemacher Timian Hopf umgesetzt wird.

Ausgrabungen Azekah und Ramat Rahel

Zwei eher ungewöhnliche Projekte im Zusammenhang mit Toleranz und Integration sind die Ausgrabungen Ramat Rahel und Azekah. Auf den ersten Blick sind beide diese Ausgrabungen wissenschaftliche Projekte – und gemessen an den Ergebnissen erfüllen sie auch beide alle Ansprüche an eine spannende Ausgrabung – dennoch lag und liegt im Fokus sowohl bei den durchführenden Instituten von Heidelberg und Tel Aviv wie auch bei der Stiftung auch und gerade das Zusammenbringen verschiedener Kulturen und Religionen. Hier arbeiteten beziehungsweise arbeiten Christen, Muslime und Juden gemeinsam an einem archäologischen Projekt. Salopp ausgedrückt: wenn man über Wochen hinweg gemeinsam im Dreck buddelt, kommt man zusammen – egal welcher Religion man angehört oder welchen kulturellen Hintergrund man hat.

Shimon Peres und Dr. h. c. Manfred Lautenschläger

Im Königspalast von Ramat Rahel (Jerusalem) sind die archäologischen Grabungen 2010 zum Ende gekommen - aber keineswegs die Forschung! Die ausgegrabenen Funde konnten von einem internationalen Forscherteam weiter ausgewertet und für die Publikation vorbereitet werden. Was aber zum Verständnis des Palastes dringend noch fehlte, war eine genauere Kenntnis davon, wo und durch wen der für Juda opulente Luxus überhaupt produziert wurde. Aus diesem Grunde wurde unter Leitung von Dr. Yuval Gadot und Prof. Manfred Oeming 2011 in der Nähe von Ramat Rahel ein Bauernhof ausgegraben.

Prof. Dr. Manfred Oeming zeigt Dr. h. c. Manfred Lautenschläger einen Fund

Bei den Auswertungen der Funde von Ramat Rahel ging es um exakte Beurteilung und Einordnung der Keramik-, Münz- und Kleinfunde von der biblischen Königszeit (ab ca. 700 v.Chr.) bis hin in die arabische Epoche der Abbasiden, also bis zum Zeitalter der Kreuzritter (um 1100 n.Chr.). Auch die Architekturfunde konnten genauer analysiert und zu einem dreidimensionalen Modell ausgebaut werden. Auch die hohe Klasse der byzantinischen Epoche, als Ramat Rahel an der Via Aurea, der „goldenen Straße“ von Bethlehem nach Jerusalem, das heißt an einem enorm wichtigen Pilgerweg der damaligen Christenheit, lag, ist jetzt deutlich.

Über die historische und archäologische Auswertung hinaus konnten v.a. aufwendigere naturwissenschaftliche Analysen durchgeführt und dabei wahrlich sensationelle Resultate erzielt werden. Die Grabungen hatten ein großes Gartenareal von 16.000 qm zu Tage treten lassen; was aber war hier gepflanzt worden? Bislang waren alle Versuche von Experten des Weizmann-Instituts und der Hebräischen Universität Jerusalem missglückt, die Pollen aus den antiken Erdschichten genauer zu bestimmen. Im Boden war der Blütenstaub im Verlauf der Jahrhunderte zu stark verwittert. Blüten und Samen sind fragil und erhalten sich einfach nicht über 2500 Jahre hinweg. Gleich neben dem Garten befanden sich aber Wasserinstallationen wie Pools und Tunnel, die mit dicker Zementpflasterschicht abgedichtet wurden.

Die zunächst „wilde“ Idee war, ob sich vielleicht Blütenstaub in diesem Verputz abgesetzt hat, als dieser noch frisch war, und so konserviert wurde. Die Paläobotanikerin Dr. Daphne Langot der Universität Tel Aviv hat Verputz-Proben unter dem Mikroskop sorgfältig auf Rückstände von Pollen untersucht und wurde fündig! 2011 gelang es der Forscherin, zwischen den verschiedenen Estrichlagen, mit denen Bewässerungskanäle, Becken und Rinnen des Gartens wasserdicht ausgekleidet wurden, brauchbare Pollenreste zu sichern. Offenbar blieben die Pollen in der Antike an den feuchten Putzoberflächen haften und wurden so tatsächlich konserviert. Insbesondere in den Putzschichten aus der Zeit der persischen Fremdherrschaft (5. und 4. Jahrhundert v. Chr.) identifizierte die Wissenschaftlerin nicht nur heimische Pflanzen wie Weinreben, Feigen- und Olivenbäume, sondern auch Zierpflanzen und Baumarten aus weit entfernten Gegenden. So hatte man hier Weiden, Pappeln und Wasserlilien, ferner spezielle Zitronen- sowie Myrtenbäume, Birken, persische Walnussgewächse und Zedern aus dem Libanon gepflanzt. Was wir schon aus allgemeinen Überlegungen zum Wesen eines Prachtgartens und aus anderen Texten und Bildern über persischen Paradies-Anlagen (das deutsche Wort „Paradies“ kommt vom dem persischen „pardes“ und meint einen „abgeschlossenen Ziergarten“) vermutet hatten, wurde jetzt naturwissenschaftlich bestätigt: der persische Statthalter hatte zur Machtdemonstration aus allen Winkeln des Perserreichs exotische Pflanzen einführen lassen.

Bei dem 2011 untersuchten Bauernhof handelt es sich um eine kleine Farm, die bei Straßenbauarbeiten in der Nähe des Zoos von Jerusalem zufällig entdeckt wurde. In enger Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaftlern vom Weizmann-Institut in Rehovot (einer der Partnerstädte Heidelbergs) wurden die kleinsten Spuren analysiert: Pollen und Samen, Kerne, Knochenreste, Fischgräten, der Inhalt von Vorratskrügen oder Asche. Besonders wichtig war die Luminiszenzanalyse der Terrassenmauern. Diese neue Methode der Datierung erlaubt die Bestimmung des Zeitpunkts, zu dem ein Quarz zum letzten Mal dem Sonnenlicht ausgesetzt war; dadurch kann die sehr wichtige Frage geklärt werden, wann die Terrassenmauern errichtet wurden. War die Terrassierung der steilen Hänge der Schlüssel zur Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge?

Darüber hinaus verwendeten die Ausgräber besondere Aufmerksamkeit auf die Datierung der zahlreichen in den Felsen gehauenen Installationen. Wenn sie aus der Eisenzeit stammen, belegen sie den Wandel von der bäuerlichen Subsistenzwirtschaft zur halbindustriellen Massenproduktion von Olivenöl, Wein oder anderen Flüssigkeiten. Durch die Grabungen tritt jetzt zunehmend eine „industrial farm“ hervor und man kann erkennen, dass man in der späten Königszeit (ab dem 7. Jh. V.Chr.) offenbar Spezialisierungen in die Landwirtschaft einbrachte. Nicht jeder Hof produziert alles, sondern einige Höfe werden ganz speziell für Produkte wie Wein, Olivenöl und getrocknete Früchte in größerem Stil ausgebaut. Außerdem zeigte sich, dass diese Höfe durchaus wehrhaften Charakter haben. Ein völlig überraschender Fund war eine Silbermünze. Es handelt sich um einen Stater, der um 480 v.Chr. in Ägina, einer ionischen Insel, geprägt wurde. Auf der Vorderseite ist eine Meeresschildkröte erkennbar, auf der Rückseite eine geometrische Figur, die einem Wagenrad ähnelt.

Die 11,8 g schwere Münze, was genau einem königszeitlichen Schekel entspricht, wurde in der Frühzeit des Geldwesens wohl nicht als Zahlungsmittel verwendet, sondern eher als Gewicht. Diese seltene Münze ist die erste, die im Rahmen einer kontrollierten Ausgrabung zu Tage kam, und es handelt sich nach Auskunft des Numismatikers Yoav Fahri (Hebräische Universität Jerusalem) um eine der ältesten Münzen, die jemals in Israel gefunden wurde, wenn nicht sogar um die älteste überhaupt. Der Umstand, dass eine solche Münze ausgerechnet in einem kleinen Bauernhof der frühen Perserzeit abseits der Stadt gefunden wurde, ändert unser Verständnis davon, was „bäuerlich“ in dieser Zeit bedeutete.

Ein weiterer besonderer Fund des Metalldetektors Fahri ist eine perfekt erhaltene Speerspitze aus der Eisenzeit, die zeigt, dass die Landwirte schon damals sehr wehrhaft waren.

Es nahmen 14 Studenten der Theologie aus Heidelberg an dem Ausgrabungs-Projekt teil, darüber hinaus arbeiteten 8 Studenten der Archäologie aus Tel Aviv sowie ein gutes Dutzend freiwillige Helfer aus alle Welt (USA, Kanada, Australien, Holland) bei dem Projekt mit. Die unmittelbare Nähe zum Zoo erzeugte eine weltweit wohl einmalige Geräuschkulisse bei einer Ausgrabung: das Brüllen der Löwen, das Schreien von Affen und das Tröten von Elefanten verliehen der harten und trockenen Arbeit einer peniblen Grabung den Hauch von Exotik.

„Wo David Goliath geschlagen hat – die Lautenschläger Azekah Expedition
» http://www.youtube.com/watch?v=7FGeqHXXtRo

Nach den sehr erfolgreichen Ausgrabungen in Jerusalem / Ramat Rahel und in er-Ras, wollten Oded Lipschits (Tel Aviv University) und Manfred Oeming (Universität Heidelberg) ihre israelisch-deutsche Zusammenarbeit an einem neuen Ort fortführen. Nach einigen Vorüberlegungen und auch nach dem Scheitern von Plänen für eine weitere Grabung in Jerusalem fiel die Wahl schließlich auf Aseka. Die Gründe für diese Wahl sind vielschichtig: u.a. ist die Lage an der Grenze zwischen Philisterland und Juda (also der antiken Grenze zwischen „Palästinensern“ und „Juden“) sehr interessant und verspricht Einblicke in die früheste Geschichte dieses Konflikts; zudem finden aktuell viele weitere Grabungen in der unmittelbaren Nachbarschaft statt, so dass Aseka in ein archäologisches Schefela-Netzwerk eingebunden wird.

Aseka wird in der Bibel prominent erwähnt; es gibt ein großes öffentliches Interesse in Israel, da Aseka für Israelis ein wichtiger politischer Erinnerungsort ist, der die Botschaft vermittelt: „Der Kleine kann den Großen besiegen (David gegen Goliat)!“ Zudem ist Aseka in mehreren außerbiblischen Quellen bezeugt, die auf in die Zeit des assyrischen Königs Sanherib und des babylonischen Herrschers Nebukadnezar verweisen und Spuren großer Weltgeschichte verheißen. Zwar waren erste Grabungen der englischen Archäologen Bliss und Macalister, mit denen die Palästina-Archäologie Ende des 19. Jh. überhaupt begann, wenig verheißungsvoll, sie liegen aber 114 Jahre zurück und seitdem haben sich die Methoden stark geändert.

„Die Realisierung des Projekts war nur durch die großzügige Unterstützung der Manfred-Lautenschläger-Stiftung, die unsere Arbeit für wertvoll und förderungswürdig hält, möglich. Zu Ehren des Stifters und als Ausdruck unserer freundschaftlichen Verbundenheit haben wir das Projekt Lautenschläger Azekah Expedition benannt. Lautenschläger ist ein urdeutscher Name, Azekah ist ein hebräischer Name, „expedition“ ist ein englisches Wort, so dass insgesamt der internationale Charakter dieses Projekts und das Ziel der Völkerverständigung schon im Titel sofort klar hervortreten“ so Manfred Oeming. „In Vorbereitung der Grabung haben wir die wissenschaftlich üblichen Vorarbeiten durchgeführt: Zum einen Survey, d.h. eine systematische Erhebung der Oberflächenfunde, zum anderen eine geoelektrische Introspektion durch das Heidelberger Geographische Institut von Rektor Eitel durch Prof. Bubenzer und Dr. Hecht, die zu der Hypothese von der Existenz einer bisher ungeahnten Unterstadt führten. Schließlich haben wir versucht, intelligent zu raten, wo wohl das Stadttor, der Palast und die öffentlichen Anlagen wie z.B. ein Tempel liegen könnten. Schließlich richtete sich die endgültige Planung stark nach den Resultaten der Geoelektrik.“

Das Interesse an der Grabung war in der ersten Startphase überwältigend. Durchschnittlich waren 120 bis 140 Volontäre pro Woche im Einsatz, insgesamt 360 Personen. 23 deutsche Studierende begleiteten ihren Professor Manfred Oeming nach Israel, dazu kamen 30 israelische Studierende aus Tel Aviv, davon zwei Palästinenser, sowie 20 US-Amerikaner, 9 Australier, 8 Südafrikaner weitere Personen aus 18 Nationen. Diese gaben dem Unternehmen einen wunderbaren multinationalen und multikulturellen Charakter.

Straßenfußball für Toleranz

Straßenfußball braucht keine speziellen Plätze, keine teuren Geräte und keine aufwendigen Rahmenbedingungen: überall spielbar, überall verständlich und allen gleichermaßen zugänglich erlaubt er einen einfachen, unbeschwerten, motivierenden und lebensraumorientierten Zugang zum Sport. In diesem Sinne spricht er im Besonderen die chancenschwachen Kinder und Jugendlichen an, denen sonst auf Dauer der Zugang zum Sport verwehrt bleibt.

Der Sportkreis Heidelberg macht sich das große Potential des Straßenfußballs zur Nutze, in dem er sich seit 2001 am landesweiten Projekt “Straßenfußball für Toleranz“ als Ausrichter beteiligt. Das Projekt „Straßenfußball für Toleranz“ schafft mit seinem besonderen Regelkatalog einen Rahmen für Lerninhalte wie Konfliktmanagement, Zivilcourage, interkulturelles Lernen, Fairness und Teilhabe. Das Lernen sozialer und personaler Handlungskompetenzen ist Voraussetzung für ein soziales und tolerantes Miteinander im europäischen und globalen Kontext.

Bei den "Straßenfußball für Toleranz"-Turnieren wird in einem besonderen Modus gespielt, der seine Wurzeln in Kolumbien hat. In jedem Team (sechs SpielerInnen) muss mindestens ein Mädchen mitspielen: Erst wenn das Mädchen ein Tor erzielt hat, zählen auch alle anderen Tore der Jungen. Außerdem gibt es keine Schiedsrichter. So genannte „Teamer“ übernehmen diese Aufgabe. Sie beobachten das Spiel vom Spielfeldrand aus und greifen nicht unmittelbar in den Spielverlauf ein. Eine weitere Besonderheit ist die Punkteverteilung. Neben den üblichen drei Punkte für ein gewonnenes Spiel, gibt es einen Punkt für ein verlorenes Spiel und zwei Punkte für ein Unentschieden. Genauso stark gewichtet wird Fairplay. Vor jedem Spiel einigen sich die gegnerischen Mannschaften auf drei Kriterien, die in diesem Spiel besonders beachtet werden sollen (Beispiel: Shake-Hands nach dem Spiel oder Fouls selbständig zugeben).

Nach dem Spiel besprechen die „Teamer“ mit den Mannschaften den Spielverlauf und entscheiden mit ihnen über die Vergabe der Fairplay-Punkte. Es können pro Mannschaft und Spiel maximal drei Punkte vergeben werden, das heißt Fairplay entscheidet genauso über Sieg oder Niederlage, wie die erzielten Tore. Somit kann eine Mannschaft, die sehr fair spielt, fußballerisch aber nur durchschnittlich, trotzdem eine gute Platzierung erreichen. Förderer des Projekts ist neben der Manfred Lautenschläger-Stiftung der Verein Sicheres Heidelberg e.V.